Zwischen den Festtagen

Die Zeit nach dem Weihnachtsfest und vor dem Jahreswechsel stimmt mich erneut nachdenklich. Wieso schenken sich die Menschen so viel und denken nicht über den Sinn und Zweck des Ganzen nach?

Die Weihnachtszeit und alle damit einhergehenden Gefühle ist oftmals nicht leicht zu ertragen. Viel zu häufig und zudem zu intensiv nehme ich Fehlverhalten der Mitmenschen wahr und frage mich: Was verbinden die Menschen mit der Weihnacht und wie bezeichnen und empfinden sie Gemeinwohl und Nächstenliebe? Zu viele Fragen, die keine klaren Antworten hervorbringen, sondern außer wirrem Gestammel nur den Narzissten und selbstgefälligen Konsumenten darstellen und mich traurig sowie gedankenverloren zurücklassen. Wohin bewegt sich unsere Gesellschaft? Ich habe zurzeit keine Antwort auf diese Frage!

Für Menschen, die im Glauben fest verankert sind, ist diese Weihnachtszeit immer ein wunderschönes Ereignis: Menschen kommen zusammen, singen gemeinsam und vergessen für eine kurze Zeit alles, was sie bedrückt. Meine 97-jährige Tante war genauso eingestellt und lebte im Einklang mit der Bibel und der Kirche.

Von einem Freund erhielt ich diesen Link zu einem Grußwort der ganz besonderen Art zum Fest.
Da meine Stiefmutter und ihre beiden Schwestern mir immer wieder diesen Dialekt vorlebten, konnte ich doch sehr viel verstehen. Für Menschen, die sächsisch nicht kennen, wird es sicherlich ein mehrfaches Anhören erfordern, bevor man den Inhalt der Nachricht versteht. Dankeschön für diesen besonderen Gruß zum Wiegenfest des … „Erlösers“ fällt mir schwer zu sagen und ebenso bekomme ich „Retter“ nicht über meine Lippen, denn der aktuelle Missbrauchsskandal innerhalb der Kirche spiegelt leider etwas ganz anderes wider.

Eine Freundin schickte mir daraufhin diese Nachricht: „Du fragst dich, wohin sich unsere Gesellschaft bewegt? Auch ich habe keine Antwort, aber ich denke, Jesus hat den Menschen gezeigt wie sie zusammen in Frieden leben könnten und was wichtig im Leben ist. Dazu finde ich die Lebensweise von Franz von Assisi interessant.

Der Hinweis auf Franz von Assisi hat mich dazu bewogen, mich etwas mehr mit ihm auseinanderzusetzen. Für seine Zeit war er doch ein ziemlicher Rebell und Opportunist. Seine guten Taten hat er mit dem Vermögen seines Vaters durchgeführt, auch wenn er hehre Ziele dabei verfolgte. Seine Art zu leben und sich mit seiner Welt zu arrangieren ist beeindruckend. Vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass er aus wohlhabenden Verhältnissen stammt.
Dass diese, seine Ziele als ein gehbarer Weg betrachtet werden, kann ich nachvollziehen: Hinweise geben, aufmerksam machen und nicht alles hinzunehmen, ist sehr angemessen. Es bedeutet aber auch, dass man Gehör bekommen möchte, das aber in unserer Zeit nicht immer der Fall ist.

Jeder ist viel zu sehr auf sich selbst fokussiert und narzisstisch veranlagt.

Je mehr ich meine Mitmenschen betrachte, desto unsicherer werde ich, wenn ich an Gemeinschaft und Gemeinwohl denke: Jeder sieht nur sich – seinen Wohlstand, sein Weiterkommen und seine Ziele! Kirche ist heute mehr denn je, nur noch der Fluchtort für Menschen, die sich selbst nicht mit (ihren) „Fehlern“ auseinandersetzen möchten.
„Wenn wir in die Kirche gehen, fühlen wir uns geborgen und aufgehoben. Der Herr nimmt uns alle Lasten ab und wir werden frei!“ Das höre ich immer wieder und kann diese Einstellung nicht nachvollziehen. Für mich ist die Kirche ein Wirtschaftsbetrieb, der ein tolles Konzept entwickelt hat, einfach an Gelder und Güter zu gelangen. Und das Ganze auch noch staatlich subventioniert.
Tut mir wirklich leid, dass ich das hier schreibe, aber ich habe mein Verhältnis zur Kirche seit vielen Jahren auf dem Prüfstand und will und kann vieles nicht mehr akzeptieren. Der Kirchenskandal (Missbrauch von Kindern usw.) hilft dabei nun gar nicht, dass ich anders denken kann.

Jeder muss und soll seinen eigenen Weg finden. Die sind glücklich, die ihn gefunden haben.

Nun möchte ich hier aber keine Diskussion über Glauben und Kirche anstrengen, muss aber trotzdem noch eine weitere Antwort auf meinen Text hier einbauen.

Ich sehe die Organisation Kirche genauso, bin zwar nicht aus der Kirche ausgetreten und auch kein „gläubiger Christ“, zudem glaube ich nicht, dass Jesus eine Kirche in so einer Form gründen wollte. Er war auch ein Rebell, der die damaligen gesellschaftlichen und politischen Zustände in Frage gestellt hat, für ihn war es zudem nicht wichtig, unsinnige Gebote einzuhalten. Er hat sich mit den Pharisäern und der römischen Besatzung angelegt und sich mit den von der Gesellschaft verachteten Zöllnern und Dirnen an einen Tisch gesetzt! Seine Botschaft war, dass Liebe, Mitgefühl, Hilfe für Hilfsbedürftige, Achtung und Verstehen der Mitmenschen wichtig ist.

Der Sohn von Maria und Josef (Jungfrau ist Quatsch) war ein bemerkenswerter Mensch mit einer besonderen Ausstrahlung und ich denke nicht, dass er ein Spinner war.

Bleibt noch die Frage: Sohn Gottes bzw. gibt es einen Gott? Viele Menschen und auch Wissenschaftler sehen es so, dass nicht alles per Zufall entstanden ist und dass eine absolute Intelligenz dahintersteht! Urknall und Evolution stehen dazu nicht im Widerspruch. Wenn die Materie nicht alles ist, wir aus Körper und Geist bestehen und wir alle ein Fünkchen dieses absoluten Geistes mitbekommen haben, könnte man uns als Kinder Gottes bezeichnen. Und der Mensch Jesus war so auch Gottes Sohn, was er damals schon erkannt hat. Ich denke, dass es eine geistige Welt gibt, aber der Begriff Ewigkeit ist ein Riesenproblem für mich: Das übersteigt meine Vorstellungskraft.

Konversation mit einer guten Freundin (27.12.21)

Wer also eine weitere Meinung dazu beitragen möchte, ist willkommen, mir das mitzuteilen.