Tagebuch einer Trennung – Teil II

Aller Anfang ist schwer

Drei Jahre gingen ins Land, in denen mehr oder weniger Gemeinsamkeit gelebt wurde. Meine damalige Freundin war ausgebildete Rechtsanwaltsgehilfin, hatte ein eigenes Einkommen und zwischenzeitlich aus der elterlichen Wohnung ausgezogen. Sie mietete ein kleines Apartment in der Nähe zu meinem Elternhaus, in das ich nach meinem 18ten Geburtstag auch mit eingezogen bin.

Ziele

Während diesen ersten drei gemeinsamen Jahren hatte ich große Mühe, mich davor zu bewahren, ungewollt Vater zu werden, denn meine Freundin wäre zu gerne schwanger geworden. (Heute weiß ich, dass sie einfach zu faul zum Arbeiten war und nur versorgt sein wollte.) Ich argumentierte immer wieder dagegen, dass ich in der Funktion als verantwortlicher Vater noch zu jung sei und erst meine Ausbildung beenden wollte, bevor ich … . Sie drängte aber immer mehr und bewegte mich dazu, sie einen Tag nach meinem 21ten Geburtstag schließlich zu heiraten. Ich war einfach „willenlos“ ihr ausgeliefert, denn sie war die Frau, die mich „zum (Hampel-)Mann gemacht hatte“. Heute weiß und sehe ich das, denn mit Abstand und Lebenserfahrung erscheinen plötzlich Dinge und Ereignisse in einem ganz anderen Licht. Hätte ich doch besser auf die Erwachsenen gehört, die mich vor dieser Heirat gewarnt haben.

Nachdem ich im Sommer 1973 mit 21 Jahren volljährig geworden war, heiratete ich einen Tag später meine Verlobte. Mein Gesellenbrief als Radio- und Fernsehtechniker wurde mir im Januar 1974 ausgehändigt. Im gleichen Jahr starb auch mein Vater – viel zu jung mit noch nicht einmal 52 vollendeten Jahren. Zusätzlich zum emotionalen Druck, nicht zu früh Vater werden zu wollen, kam jetzt noch die Auseinandersetzung im Zusammenhang mit dem Erbe meines Vaters hinzu. Leider wurde ich von meiner älteren Halbschwestern und ihrem Mann schlecht beraten und beging einen fatalen Fehler: Ich erstritt meinen Pflichtteil und brachte meine Stiefmutter in finanzielle Bedrängnis. Heute würde ich niemanden mehr zu einer solchen Reaktion auf ungeklärte Erbverhältnisse raten, denn man wird schnell zum Aussätzigen – einer Persona non grata – und damit zum Schwarzen Schaf der Familie.

Das Schwarze Schaf in der Herde weißer
Kann man sich als Schwarzes Schaf, umgeben von andersfarbigen, wohlfühlen?

Im Sommer 1975 kam dann meine erste Tochter zur Welt, während ich meinen Grundwehrdienst ableistete. Ich konnte leider nicht bei der Geburt dabeisein, denn zur damaligen Zeit hatte man bei der Bundeswehr für angehende Väter kein Verständnis und es gab keine Sonderregelungen bezüglich Heimaturlaub. Diesen neuen Erdenbürger, meine Tochter, dann in meinen Armen halten zu können, war bewegend.

Junges Glück

Eigentlich hätte jetzt alles gut laufen sollen. Ich beendete meinen Grundwehrdienst, bewarb mich kurz darauf um eine ausgeschriebene Stelle beim WDR und freute mich, ein treusorgender Familienvater sein zu können. Ich wurde aus der Menge von fast 90 Bewerbern ausgewählt und trat Anfang 1980 meine neue Stelle beim WDR an. Zwischenzeitlich hatte sich meine Frau ganz aus dem Berufsleben verabschiedet. Sie war jetzt MUTTER und sah darin ihre Aufgabe, für die ich sie aushalten musste. Sie war bis zu ihrem Ausscheiden aus der Rechtsanwaltskanzlei von uns beiden die Besserverdienende gewesen. Meinen Hinweis, dass ich doch auch daheim bleiben könnte, um unsere Tochter zu versorgen, wurden von ihr vehement zurückgewiesen.

Für mich war das Anlass genug, sicherzustellen, dass wir nicht nur leben, sondern uns auch noch etwas leisten konnten, wie etwa eine Urlaubsreise pro Jahr oder auch ein neues Auto. Beruflich gab ich mein Bestes, war erfolgreich und stieg auf. Nach vier Jahren wurde ich aber nochmals Vater, obwohl es die Absprache zwischen meiner Frau und mir gegeben hatte, dass wir uns das nicht leisten könnten. Sie trank zunehmend mehr Alkohol und wurde unberechenbar. Ich fand in unserer Wohnung in Schränken und hinter Gardinen versteckt Flaschen mit hochprozentigem Inhalt. Meine Frau wurde verschlossen, kommunizierte nur noch, wenn sie Alkohol getrunken hatte und zog sich gesellschaftlich zurück. Die von mir ihr gereichten helfenden Hände wies sie zurück. Die Versorgung meiner beiden Töchter lag nunmehr ausschließlich in meiner Hand. Ich kümmerte mich um den Haushalt, sorgte dafür, dass ausreichend Geld zur Verfügung stand und war verzweifelt, dass meine Frau in einen Abgrund abglitt.

Nach allgemeiner Auffassung hatten wir es aber doch geschafft! Wir wohnten in einem komfortablen Haus, hatten zwei Töchter, die uns Freude bereiteten und einen Freundeskreis, der uns zur Seite stand, wenn wir Hilfe benötigten oder unsere anbieten konnten. Meine Frau war aber zwischenzeitlich zur Alkoholikerin geworden. Wurden wir eingeladen, bestellte sie sich nur noch alkoholhaltige Getränke, begann ihren Tag mit einem Glas Rotwein und einem Wasserglas hoch gefüllt mit Weinbrand. Sie war nicht mehr kommunikativ, wandte sich von den Kindern ab und zeigte mir zunehmend die kalte Schulter.

Ich versuchte alles, um ihr eine Therapie zuteilwerden zu lassen. Wir sprachen über die Ursachen dessen und ich versuchte, ihr eine Arbeitsstelle zu vermitteln, damit sie wieder eine „Aufgabe“ und damit neues Selbstwertgefühl zurückerlangen konnte. Alles ohne Erfolg! Stattdessen wurde die Trinksucht immer schlimmer und ich wusste nicht mehr, wie ich uns helfen konnte. Die Spirale drehte ich zunehmend schneller in eine Richtung, die nichts Gutes erahnen ließ.

Damit meine kranke Frau (sie hatte die zweite Schwangerschaft bewusst durch das Weglassen der Pille heraufbeschworen) nicht erneut schwanger werden konnte, entschied ich mich für eine Sterilisation (Vasektomie). Ein Schritt, der mit 28 Jahren gut überlegt sein sollte, den ich aber nie bereut habe. Die Funktionalität des männlichen Gliedes wird dabei nicht beeinträchtigt, sondern nur die Samenleiter durchtrennt, sodass keine Spermien mehr ausgestoßen werden. Der Mann wird zur tauben Nuss, also zeugungsunfähig!

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