Tagebuch einer Trennung

Blick in mein Bücherregal mit meinen Tagebüchern
Erinnerungen schlummern in Tagebüchern, bis sie wieder geweckt werden.

Zufällig stieß ich in meinem Bücherregal, versteckt vor allzu neugierigen Blicken, auf die Sammlung meiner Tagebücher aus der Zeit, als ich mich von meiner Frau getrennt habe. Darin kann ich nachlesen, was mich bewegte, wie ich mich fühlte und was ich gemacht habe, als in mir der Entschluss wuchs, meine Ehe zu beenden, damit ich nicht selbst vom gesamten Leid nach unten gezogen werde und untergehe!

Interessiert das vielleicht jemanden, frage ich mich? Soll ich hier einen Blog aufmachen, damit andere Menschen vielleicht etwas Verständnis dafür aufbringen können, wieso Ehen auseinanderbrechen und sich Partner trennen?

Zu jung geheiratet, ohne Erfahrung gesammelt zu haben

Was macht ein Teenager, wenn er „unansehnlich, übergewichtig und einsam“ ist? Seine Empfindungen überdenken und gegebenenfalls ändern? Nein: Er zieht sich immer mehr aus der Gesellschaft zurück und wird Einzelgänger.

Ich war ein Schüler, der nicht um seine Noten bangen musste und in allen Bereichen gefördert wurde, wo es immer möglich war. Da ich als 16jähriger Einzelgänger und gut ausgebildeter Tänzer nur schwer Kontakt zu anderen aufbauen konnte, schloss ich mich notgedrungen meinem älteren Bruder und einem Cousin an, die beide bereits erfahrene Tänzer und Partygänger waren. Als fünftes Rad am Wagen wurde ich zu Tanzveranstaltungen mitgenommen, war aber meist nur Ballast. Zudem erfuhr ich Abweisung von den jungen Teenager-Mädchen, die ich zum Tanz aufforderte. Das wiederum schwächte nachhaltig mein Selbstbewusstsein. Ich zog mich weiter zurück – und vereinsamte!

Dann kam der Moment, der mein Leben verändern sollte. Mein damaliger Schulkamerad und bester Freund (ein Jahr älter als ich und ein Frauenschwarm) erzählte mir davon, dass er mit seiner Freundin Schluss gemacht und sie als verletztes Wesen zurückgelassen habe. Er meinte, dass ich mich doch einmal mit ihr verabreden solle, denn sie sei sicherlich „offen“ für etwas Neues. Ich stellte erste einmal in Frage, dass ich für sie ein Freund sein könnte, denn ich war nicht der Draufgänger, der mein Freund war und dazu auch noch sexuell absolut unerfahren. Ich stand kurz vor meinem 18ten Geburtstag und war noch immer „Jungfrau“! Unglaublich, denn alle um mich herum protzten nur so mit ihren Abenteuern und ich war gutgläubig. Ich war ein Versager! So sah ich mich jedenfalls.

Bei einem zufälligen Treffen mit ihr in einer Diskothek sprach ich sie – die zudem ein Jahr älter war als ich – mutig an und erhielt Aufmerksamkeit. Sie tanzte mit mir, gesellte sich zu unserer Gruppe und – ich war überglücklich. Ich fühlte Schmetterlinge im Bauch, die mir das Gefühl vermittelten, dass das genau der Mensch sein würde, der mir zugeneigt sei und mich glücklich machen könne. Wir verabredeten uns an einsamen Orten, denn weder sie noch ich trauten uns, uns den Eltern mitzuteilen, wie verliebt und „süchtig“ wir aufeinander waren.

Nach etwa zwei Monaten der gefühlsmäßigen Achterbahn kam es dann zu dem Ereignis, das mich willenlos machte und Bedenken über Bord gehen ließ: Ich hatte das Glück, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Frau anfassen durfte. Ich erkundete das unbekannte Terrain und konnte einfach nicht genug davon bekommen. Ich war erhört worden und eine Frau war mir zugeneigt!

Was mache ich nur?

Mein Fokus lag auf dieser jungen Frau, die mich erkoren hatte, ihre Wunschvorstellungen an das Leben zu erfüllen. Bei fast jedem Treffen, stellte sie mir Fragen zur Familienplanung, wann wir uns verloben würden und wie alles weitergehen soll. Für mich, der ich gerade 18 Jahre alt und zur damaligen Zeit noch nicht volljährig war, waren das alles Themen, mit denen ich mich eigentlich nicht auseinandersetzen wollte. Mein Schwerpunkt lag darauf, das Abitur zu machen, um danach zu studieren. Alle ehemaligen Klassenkameraden berichteten mir bereits, dass sie schon ein erstes Einkommen hatten, denn sie waren mit Mittlerer Reife ins Berufsleben eingetreten. Ich hingegen, war abhängig von einem kleinen Taschengeld und weiterhin Gymnasialschüler, der noch zwei Jahre bis zum Abi zu bewältigen hatte.

Die Intimitäten, der praktizierte Sex und mein Streben danach, meine Freundin zufriedenzustellen, führten dazu, dass meine schulischen Leistungen zunehmend nachließen. Ich rutschte im Klassen-Ranking ab und wurde immer mehr – sexsüchtig. Sex, Sex, Sex – das war mein Leben und ich dachte an nichts anderes mehr. Wieso sprach niemand mit mir darüber und überzeugte mich davon, dass ich nicht auf dem richtigen Weg war? Mein Vater war todkrank und nicht bereit, sich für meine Probleme wirklich zu interessieren. Meine Stiefmutter war – ebenso wie man Vater – nicht bereit sich über das Thema „Sex vor der Ehe“ und allen damit verbundenen Problemen mit mir auseinanderzusetzen. (Die Schwester meiner Stiefmutter sagte mir als sie 96 Jahre alt war: „Wir haben nie gelernt, dass man sich umarmt oder Nähe zeigt!“) Sie konnten und wollten es nicht, denn sie hatten selber keine Erfahrung mit den Themen als Jugendliche sammeln können. Und im Alter offen dafür zu sein? Was habe ich erwartet?

Der psychische Druck seitens meiner Freundin, ihr doch „ein Kind zu machen“, damit sie endlich aus dem Elternhaus ausziehen könne, wurde immer größer! Ich wusste nicht mehr, wie ich mich verhalten sollte und was ich machen müsste, damit ich nicht als Minderjähriger Vater werden würde. Ich bezahlte von meinem geringen Taschengeld die Pille, für die es damals nicht als Selbstverständlichkeit ein Rezept vom Frauenarzt gab. Oftmals hatte ich kaum das Geld, um mir diesen „Luxus“ leisten zu können. Ich war aber irgendwie bereits abhängig, so wie ein Drogensüchtiger. Bei mir war es aber die Sucht nach Zuneigung, körperlichem Kontakt und Zweisamkeit. Ein Teufelskreis, der mich die nächsten Jahre nicht aus ihm ausbrechen lassen würde.

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