Was ist nur los? Ist das eine Depression?

Was ist nur los? Ist das eine Depression?
Düstere Stimmung an der Küste (Kolberg, Polen ©Urheber-ID 986011)
  • Bin ich wertvoll?
  • Wie schätzen mich andere ein?
  • Was mache ich falsch, dass ich nicht positiv denken kann?

Diese Fragen nach dem Wert und Sinn sowie dem Sein des Lebens beschäftigt wohl jeden Menschen, unabhängig von seinem Geschlecht, seinem Alter und dem Bildungsstand. Warum stelle ich dann hier eigentlich diese Frage nach einer möglichen Depression?

Ich versuche einmal, für mich die Ursache dafür zu finden. Vielleicht hilft das mir aus dieser Krise und anderen auch, etwas mehr Licht für sich zu sehen und wieder „aufzustehen“.

Wieso?

Jeder Lebensabschnitt bringt immer wieder Situationen, in denen ich mich hinterfragen muss. Warum habe ich genau das gemacht? Was löste diesen Schritt aus? Gab es keine andere Lösung oder was hat auf mich Einfluss genommen?

Ist mein Gemütszustand erst einmal düster, so fällt es mir schwer, logisch zu denken und unvoreingenommen mich selbst zu beurteilen. Muss ich mich eigentlich bewerten?

Nach vielen Jahren der Psychotherapie und -analyse hatte ich letztendlich das Gefühl gewonnen, dass ich gegen die meisten Anfechtungen gefeit sei. Das war aber offensichtlich eine Fehleinschätzung. Als mir meine damalige Therapeutin zum Abschied sagte, dass ich gerne die noch „verbliebenen Reststunden später einlösen“ könne, war ich erstaunt und konnte mir gar nicht vorstellen, dass es jemals dazu kommen würde. Nun hat aber Corona und die damit verbundenen Einschränkungen dazu geführt, dass alte Wunden wieder aufgebrochen sind und diese versuchen, mich aus der Bahn zu werfen.

Aus der Bahn geworfen zu werden und nichts dagegen tun zu können, macht mich machtlos. Ich wollte das aber nicht mehr geschehen lassen, dass ich zum Opfer meiner eigenen Missempfindungen werden sollte. Meine Versuche, mich durch Zurückziehen und die damit verbundene Vereinsamung, aus der Stimmung herauszuheben und eine Lösung herbeizuführen, waren nicht erfolgreich. Es zog mich nur noch weiter nach unten und meine Stimmung wurde zunehmend schlechter.

Ich muss mich selbst hinterfragen. Ich suche nach Hinweisen, die mir verdeutlichen sollen, was dazu beigetragen hat, dass sich mein Zustand so verschlechterte. Meine allgemeine Traurigkeit konnte ich nicht erklären. Meine Frau nahm diese wahr und versuchte, mir dabei zu helfen, die Ursache dafür zu finden. Was bringt mir aber diese „Abhängigkeit“ von meiner Partnerin, bei der Suche nach einer Lösung? Ich kann mich zurzeit selbst nicht wirklich leiden und soll jetzt auch noch meine Gefühle offenlegen? Allein der Gedanke daran, verursachte mir Bauchschmerzen und zog mich noch weiter runter.

Mein Selbstwertgefühl war auf einem Tiefpunkt angelangt. Affirmationen halfen mir nicht mehr! Denn wie kann ich mich selber loben, wenn ich mich nicht als lobenswert erachte? Was trägt zu diesen Missempfindungen bei? Ich fühle mich nicht angenommen und nicht beachtet. Diese Gefühle sind aber rein subjektiv und untermauern zudem noch meine geringe, eigene Wertschätzung. Was also kann ich tun, damit ich mit mir und meiner Situation besser umgehen kann: Ich beginne wieder, mein Tagebuch weiterzuführen. Das hat mir schon einmal sehr geholfen. Also suche ich mein letztes und beginne darin zu blättern.

Tagebuch

Das ewige Auf und Ab des Lebens kann ich in meinem Tagebuch wiederfinden: Wechsel des Arbeitgebers, Scheidung, Kindheits- und Kinderprobleme, Partnerschaft, Heirat, Selbstständigkeit! Soll ich hier darüber schreiben oder es lieber weiterhin versiegelt lassen?

Alleine schon das erneute Wahrnehmen überstandener Krisen kann meinen Zustand nicht verändern. Ich habe eher das Gefühl, dass es mich noch weiter nach unten zieht. Die Fragen nach dem Wieso, dem Warum und einem Lösungsansatz werden nicht so einfach beantwortet. Ich finde immer wieder Hinweise darauf, dass Teile meiner Kindheit noch immer unbearbeitet sind und auf Antworten warten. Welchen Einfluss nimmt das aber auf mein Leben? Fühle ich mich zurückversetzt in mein „Kindsein“ und damit gezwungen, etwas eigenes hervorzubringen und mich den Eltern gegenüber neu zu positionieren?

Da ich meine Mutter im Alter von nur vier Jahren durch eine Krebserkrankung verloren habe und mein Vater mit 52 Jahren viel zu früh starb, könnte ich meine Positionierung ihnen gegenüber nur subjektiv verändern. Ich vermisse ihre Fürsprache und die Auseinandersetzung mit mir. Meine Stiefmutter war dazu nicht in der Lage. Sie hatte mit ihrer leiblichen Tochter zu tun und keine emotionale Verbindung zu mir aufbauen können. Alle Versuche von mir, die Bindung zu meiner Mutter nachzuempfinden, scheiterten daran, dass ich mich an sie nur bruchstückartig erinnern konnte. Wirklich entsinnen war nicht möglich.

… Mich würde es interessieren, ob ich hier weiter schreiben soll. Bitte gebt mir ein kurzes Feedback und lasst mich wissen, ob ihr Interesse habt.