Steigende Energiekosten

Mein Leserbrief an den Kölner Stadtanzeiger:

Auf der Titelseite der KStA-Ausgabe vom 14.10.21 sowie den folgenden Seiten wird über die allgemein steigenden Energiepreise berichtet. Dabei handelt es sich um die von der Bundesregierung beschlossenen CO₂-Abgaben und die Ermahnung an die Bürger, doch bewusster mit endlichen Ressourcen umzugehen. Die Legislative ruft nach Vernunft und erhält Zorn zurück. 

Offensichtlich haben aber die Verbraucher und Bürger – und allen voran die Gewerkschaften als deren Vertreter im Berufsleben – nichts verstanden, denn diese fordern „spürbare Lohnsteigerungen, die ermöglichen, den Preisanstieg aufzufangen“ (Frank Werneke, Verdi-Chef). Hier wird einmal mehr an einer Schraube gedreht, die letztendlich uns alle teuer zu stehen kommt. Jeder will mehr, um seinen erworbenen Lebensstandard nicht einschränken zu müssen. Wollen wir aber die Klimaziele erreichen, so müssen wir alle unseren Beitrag dazu leisten, d. h. ggf. auch zu verzichten. Und zwar nicht nur auf höhere Löhne, sondern auch auf den Besitz von Luxus, der nicht zwingend notwendig ist. Hier spreche ich mehrere Fahrzeuge in einem Haushalt ebenso an, wie auch zum Beispiel Luxus-Kurzreisen zu den Kanarischen Inseln oder anders wo hin. 

Weniger bedeutet nicht zwingend, ärmer zu sein, sondern sein Leben neu zu ordnen und Werte anders zu sehen. Die Stadtflucht bewirkt doch nur, dass sich im Speckgürtel alle die niederlassen, die dann mit ihren Verbrennerfahrzeugen morgens und abends die Einfallstraßen verstopfen, dafür aber draußen im Grünen leben. Brauchen wir Fahrzeuge, die eine PS-Leistung von über 120 kWh aufweisen, um morgens die Zeitung bzw. Brötchen um die Ecke kaufen zu gehen? Vernünftigerweise sollten wir nur 120 km/h als Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn und 50 km/h in der Stadt fahren. (Meine ganz persönliche Meinung dazu ist hier zu finden.)

Warum kommt die Verkehrswende in den Städten nicht voran? Offensichtlich wollen die alle Verbraucher auf nichts verzichten. Sie schreien nach mehr Einkommen, das aber im Umkehrschluss auf alle Güter, Dienstleistungen und Ressourcen umgelegt werden wird, denn auch Unternehmer wollen mehr erwirtschaften. Wöchentlich lese ich zudem in der Presse, dass neue Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden, die einen CO₂-Ausstoß  haben, der nicht der gesetzlich vorgegebenen Höchstgrenze von unter 99 g/km entspricht. Und was sollen die Hinweise, dass der E-Mobilität Vorschub geleistet wird, da immer mehr Fahrzeuge mit einem „E“ auf dem Nummernschild zugelassen werden. Meist handelt es sich dabei um Firmenfahrzeuge, die die E-Prämie beim Neukauf als günstigen Rabatt betrachten, aber oftmals nach der Abschreibung das Fahrzeug noch mit einem original eingeschweißten Ladekabel zurückgeben. Strom kommt zwar aus der Steckdose, aber die Stromerzeugung verursacht CO₂-Ausstoß. Batterien werden zum Problem, wenn sie entsorgt bzw. recycelt werden. Somit sind diese „E“-Fahrzeuge nicht als „Grün“ anzusehen. Hier werden aber gerne die Augen verschlossen. 

Nachhaltigkeit sollte wieder in die Herstellungskette integriert werden. Produkte müssen so entwickelt und produziert sein, dass sie eine längere Betriebs- und somit Lebensdauer erhalten, was letztendlich auch Umweltschutz bedeutet und den „Grünen Fußabdruck“ eines jeden Bürgers verkleinern wird.

Werbung mit 0 g/km CO2-Emission, wobei aber der CO2-Ausstoß der Stromerzeugung verschwiegen wird (Instagram-Screenshot v. 15.10.21)

Die „Mutter“ auf der Schraube von „Mehr Gewinn, mehr Luxus und mehr Bequemlichkeit“ dreht sich weiter nach oben und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese den letzten Gewindegang genommen hat. Wir müssen umdenken und zwar sofort!

Umweltschutz kostet und das sollte es uns allen wert sein: Den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Welt zurücklassen und dabei Verzicht praktizieren!