Kriminelle Masche: Betrug mit Fake-Sites

„Asche auf mein Haupt“, denn eigentlich hätte gerade ICH es besser wissen müssen und nicht in die Falle tappen dürfen! Nachher ist man immer schlauer und ärgert sich doppelt. Aber alles der Reihe nach.

Auf der Suche nach einen bestimmten Laufschuh von Brooks stieß ich auf zahlreiche Weblinks, die mir Angebote aus den USA schmackhaft machten bzw. versuchten, mich auf Webseiten außerhalb Europas zu locken. Gerade was Bestellungen über Amazon.com aus den USA anbetrifft, habe ich schon meine einschlägigen Erfahrungen im Zusammenhang mit Lieferzeiten, Reklamation usw. sammeln müssen. Ich muss bekennen, dass Amazon bei derartig gelagerten Problemen immer kulant agiert und der Käuferschutz greift. Es ist aber immer wieder ärgerlich, wenn dieser Kampf dann bis zu sechs Monate Zeit in Anspruch nimmt. Trotzdem: Dieses Warenhaus war diesmal nicht die erste Wahl.

Nach dem Besuch einschlägiger Websites wie etwa Shop4Runners, runmarkt, lauf-bar, sportcheck und wie sie alle heißen und einem allgemeinen Überblick über die Vergleichsplattform idealo landete ich schließlich auf einer Site von Brooks, wo ich zwar den gesuchten Schuh fand, aber leider nicht mehr in der gewünschten Farbe.

Ich erweiterte meine Internetsuchanfrage um weitere relevante Details wie „sale“, „Outlet“, „Abverkauf“ usw. und erhielt einige Ergebnisse, die den gesuchten Schuh um bis zu 50 % günstiger anboten. Ich klickte auf die Seite brooks-schweiz, von der ich annahm, dass sie eine offizielle Webseite der Schweizer Vertretung des Herstellers war. Alles schien perfekt zu laufen. Das Angebot gab es für 69 SFR, ich konnte aber gleich als Währung EUR auswählen und erhielt den Kaufpreis inklusive Versand von 78 EUR angezeigt. Ich erstellte ein Nutzerkonto und ging zur Kasse, wo ich über SSL-Verschlüsselung mit meiner Kreditkarte die Ware bezahlen konnte. Gesagt, getan: Ich gab meine Daten ein und erhielt fast umgehend eine Benachrichtigung meiner Kreditkartenbank, dass eine Zahlung von 614,65 CN¥ (= 82,48 €) an EPL*TERZHIOAR CO genehmigt worden wäre. Ups, da habe ich doch gar nichts gekauft bzw. bestellt und schon gar nicht zu dem genehmigten Preis? Auf Anruf bei der Servicenummer meiner Bank erfuhr ich dann, dass das einer Umrechnung des Kaufpreises (78 €) von chinesischen Yuan in Euro entspräche. Empfänger sei ein chinesisches Unternehmen.

Verdammt, ich war in eine Falle getappt! Umgehend sperrte ich meine Kreditkarte um weiteren Schaden abzuwenden. Auf Nachfrage wurde mir bestätigt, dass man diese Zahlung nicht stornieren könne, solange sie erst einmal nur vorgemerkt und noch nicht abgebucht sei. Sobald sie als Belastung auf meinem Kartenkonto erscheinen würde, könnte ich einen Antrag auf Erstattung stellen.

Die ersten Schweißperlen verschwanden langsam wieder von meiner Stirn und mein Pulsschlag normalisierte sich wieder. Mein Versuch, über das Impressum auf der Webseite eine Adresse zu erhalten, um mich offiziell zu beschweren verdeutlichte mir, dass es dort kein Impressum gab. Alle vorhandenen Texte waren ohne Punkt und Komma in Worten mit jeweils einen Großbuchstaben am Anfang geschrieben. Oh, Scheibenkleister, ich war wirklich getrappt.

Ich griff in meine Trickkiste, die ich eigentlich schon vorher hätte nutzen sollen, um diese Site zu verifizieren und rief über Who.is diese angebliche Präsenz auf. Meine schlimmsten Befürchtungen wurden bestätigt: Es handelt sich um eine Plattform, die mit einer URL-Weiterleitung über die ursprünglich eingegebene Webseite auf einem Server bei Alibaba.cloud landet. Wer der Registrar ist, wird mir aber nicht angezeigt.

Was konnte ich noch machen, um Schäden abzuwenden? Folgende Punkte gingen mir durch den Kopf:

  1. Wie kann ich diesen Missbrauch anderen kundtun?
  2. Was muss ich unternehmen, um Strafverfolgung anzustoßen?
  3. Wie kann ich eventuell weiteren Schaden von mir und anderen abwenden?
  4. Wen habe ich zu informieren?

Zu 1.: Zunächst überlegte ich also, wie ich diese schlechten Nachrichten weiter verbreiten könnte. Ich unterrichtete den Hersteller Brooks über seine allgemeine Kontakt-E-Mail-Adresse über diesen Missbrauch.
Nachdem ich in 24 Stunden keine Antwort seitens brooksrunning erhalten hatte, rief ich dort an. Eine Mitarbeiterin zeigte großes Interesse an dem, was ich zu berichten hatte und versprach, das im Management vorzutragen. Man würde in jedem Fall diesen Fall verfolgen und diese gefälschte Website melden.
Zu 2.: Als zweiten Schritt schrieb ich die zuständige Stelle beim LKA in NRW an, damit diese Kenntnis davon erhält und aktiv wird.
Es meldete sich ein Hauptkommissar der Kripo Köln bei mir. Ich schilderte sowohl telefonisch als auch im Nachgang per E-Mail den gesamten Vorfall, übermittelte relevante Screenshots und Fotos an ihn und er nahm meine Anzeige auf.
Zu 3.: Meine Kreditkarte war gesperrt, die Bank und das Kreditkartenunternehmen informiert, sodass hier wohl kein weiterer Schaden zu erwarten ist.
Heute rief in nach zwei Tagen den Online-Zugang zu meinem Kreditkartenkonto auf und konnte sehen, dass alle genehmigten und vorgemerkten Belastungen bis zum 2.10.21 abgebucht und somit meinem Kreditkartenkonto belastet worden waren, außer dem noch weiterhin vorgemerkten Betrag über 82,48 EUR an das vermeintliche chinesische Unternehmen. Ich habe noch weitere sieben Tag, an denen ich bangen muss, dass der Betrag doch noch abgebucht wird, aber ich bleibe zuversichtlich, dass meine Meldung an die DKB und die damit verbundene Kartensperrung Wirkung gezeigt hat.

Zu 4.: Ich muss mich outen und über mein Missgeschick in meinem Blog berichten.
Gesagt getan: Hier und heute schreibe ich über mein Missgeschick, um andere vor dem Gleichen zu bewahren.

Mein Tipp lautet: Nicht alles was günstig angeboten wird, ist es auch. Bevor man bestellt und ein Konto anlegt, sollte man sich im Impressum der Website über alle handelsrechtlich relevanten Angaben informieren (Habe ICH Dummkopf nicht gemacht!). Das ist zwar kein 100%iger Schutz, bietet aber doch eine gewisse Sicherheit, wenn man eine USt-ID sowie eine Anschrift mit Telefonnummer und Kontakt-E-Mail-Adresse sieht. Ich hätte dann niemals bei einem Unternehmen mit Sitz in China bestellt. Global Trading is dangerous!

Hier sitze ich Tor (Erkl. Duden: männliche Person, die töricht, unklug handelt, weil sie Menschen, Umstände nicht richtig einzuschätzen vermag; weltfremder Mensch) und schäme mich. Vielleicht habe ich ja trotzdem Glück gehabt, da ich schnell gehandelt habe. Jetzt heißt es abwarten.

7.11.21 Soeben sehe ich, dass die Webseite aufgrund von Phishing bei der Installation von entsprechender Schutzsoftware gesperrt wird. Schützt euch und eure Lieben und installiert entsprechende Werkzeuge auf eurem Gerät, mit dem ihr ins Internet geht!

Ein Gedanke zu “Kriminelle Masche: Betrug mit Fake-Sites

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.