Reise in die Vulkaneifel

2010 beim HR in Frankfurt

Seit über dreißig Jahren treffen wir ehemaligen Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten uns jährlich einmal an den unterschiedlichsten Orten in Deutschland. Die Organisation übernimmt dabei stets eine Person aus dem Ehemaligenkreis und versucht in dem durch Mehrheitsbeschluss gefassten Gebiet ein passendes Hotel sowie Aktivitäten zu finden, die uns allen zusagen würden. 2021 waren meine Frau und ich mal wieder an der Reihe, nachdem wir bereits im Jahr 2000 und 2009 jeweils ein Treffen veranstaltet hatten.

Der Wunsch – die Eifel näher kennenzulernen – stand auf dem Plan. Die Suche nach einem passenden Hotel gestaltete sich gar nicht einfach. Zunächst versuchten wir über die Webseite Eifel.de eine Sammelanfrage an dort gelistete Hotels zu versenden: Ohne Erfolg, denn offensichtlich war dieses Portal nicht gut gepflegt und unsere Anfragen verdampften im E-Mail-Nirvana. Keine Antworten sind erst einmal kein Schock, aber lassen nachdenklich werden.

Die erneute Suche und angeforderte Webseite führte zu einem Krimihotel in Hillesheim, von dem wir nach unserer Anfrage in Coronazeiten eine sehr zeitverzögerte, aber dennoch vielversprechende Antwort erhielten. Das Angebot umfasste neben ausreichend vielen Zimmern auch ein Unterhaltungsprogramm, das viel Krimi-Spannung versprach. Zwar waren die Stornierungsbedingungen nicht das, was wir uns in dieser Zeit der Pandemie erhofft hatten (sechs Wochen vor Anreise: letzte kostenfreie Stornierungsmöglichkeit), aber das Gesamtpaket war so geschnürt, dass es als gelungen zu bezeichnen war. Die Buchung wurde bestätigt und alle Ehemaligen darüber informiert. Einige entschieden sich dafür, ihren Aufenthalt ganz individuell zu verlängern und nicht nur das angesagte Wochenende dort zu verbringen. Wie immer gab es leider auch einige Skeptiker unter uns. Allerdings konnten die Bedingungen nicht allen Wünschen und Anforderungen gerecht werden, sodass einige Teilnehmer absagten. Die Gesamtzahl der Ehemaligen überzeugte aber und wir ließen uns nicht entmutigen.

Nachdem uns das Hotel im Frühsommer 2021 signalisierte, dass man nunmehr schon wieder teilgeöffnet hatte und das Restaurant wieder in Betrieb ist, reisten wir zu einer Besichtigung und einem Probeessen an. Sehr freundlich war das Personal und überaus bemüht, uns bei diesem Besuch alles zu zeigen, uns umfassend zu informieren und damit zufriedenzustellen. Überzeugt davon, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten, reisten wir nach dem Kurzbesuch wieder ab, denn es wurde klar kommuniziert, dass man zuversichtlich sei, dass das Hotel sich im September 2021 wieder im Normalbetrieb befinden würde.

Dann kam das Jahrhundert-Juli-Hochwasser und wir erhielten vom Krimihotel die Hiobsbotschaft, dass sie den Betrieb bis zum Frühjahr 2022 ganz einstellen müssen, da der Keller und das Erdgeschoss des Hotels überflutet worden wären. Alle von uns bestellten Zimmer wurden storniert. Was tun – rund fünf Wochen vor unserem geplanten Treffen? Ich wollte alle informieren und es auf das Jahr 2022 verschieben!

Meine Frau ließ sich nicht entmutigen und machte sich auf die Suche nach einem adäquaten Ersatz. Nach intensivster Suche fand sie das Landhotel Gillenfelder Hof, in dem ausreichend Zimmer vorhanden waren und unsere Buchung auch sofort bestätigt wurde. Alle Ehemaligen informierten wir umgehend und erhielten nur positive Rückmeldungen, da alle zuvor getätigten Buchungen entsprechend reserviert und bestätigt worden waren.

Am Tag der Anreise wurden wir etwas chaotisch und unprofessionell empfangen. Die bestellten Zimmer waren nicht den entsprechenden Personen zugeordnet, sondern es wurden wahllos Zimmerschlüssel ausgegeben und wir mussten uns arrangieren, wer wohin zu gehen hatte. Zudem war das Hotel nicht in einem Gebäude untergebracht, sondern in drei miteinander verbundenen Gebäudekomplexen, die unterschiedliche Niveaus hatten. Das bedeutete, dass es viele Treppen zu steigen gab und zahlreiche Feuertüren zu öffnen waren, bevor man in sein Zimmer kam. Man hatte uns gesagt, dass das Hotel behindertengerecht sei, aber leider nur einige Zimmer. Bestellt hatten wir für das Ehemaligentreffen an zwei Tagen eine Pauschale inklusive Frühstück und Abendessen. Nicht gerade preiswert, aber irgendwie aufgrund unserer angespannten Situation der späten Buchung trotzdem akzeptabel. Es stellte sich heraus, dass es kein Bedienungspersonal gab, sodass zwar Getränke gebracht wurden, wir uns aber um unsere Getränkelisten selbst kümmern mussten. Das Ganze war irgendwie ein Blindflug, da niemand die genauen Preise im Kopf hatte und wir nur unsere Strichlisten führten.

Die Zimmer waren geräumig, aber leider nicht beheizt, obwohl es bereits Mitte September war und es nachts abkühlte. Morgens war das Badezimmer kalt und auch im eigentlichen Zimmer wurden die Heizkörper nicht warm. Diesen Mangel teilten wir dem Eigentümerehepaar mit, allerdings änderte sich auch nach vier Nächten an diesem Umstand nichts.

Für Freitags hatten wir einen Ausflug an die Mosel mit einem Stopp in Bernkastel-Kues geplant. Diese Reise wurde verbunden mit einer Fahrt entlang der Mosel mit dem Ziel: Trier! 2000 Jahre Geschichte empfingen uns hier. Neben dem Besuch des Doms und einem Spaziergang bis zur Porta Nigra gab es auch einen Stopp in einem kleinen Café, abseits der eigentlichen touristischen Strecke durch die Stadt. Nach diesem Kurzbesuch von Trier führte uns der Weg weiter nach Wasserbillig, wo wir in Luxemburg die Tanks unserer Fahrzeuge preiswert gefüllten, um uns dann auf die Rückfahrt nach Gillenfeld zu begeben. Ein gemeinsames Abendessen beendete diesen Tag.

Der Samstag war gefüllt mit Vulkangeschichte. Es stand der Besuch des Lava-Domes und des Geysir Andernach an. Für unsere 15-köpfige Gruppe hatte ich eine Führung durch den Lava-Dome und den Lava-Keller gebucht (Pauschalpreis 135 €). Im Lava-Dome erhielten wir umfassendes Wissen über die Entstehung der Maare und die letzten Vulkanaktivitäten, die mehr als 12.000 Jahre zurückliegen, aber keine Sicherheit auf nicht aktuell neu stattfindende Ausbrüche gewährleisten. Uns wurde bewusst, wie erschreckend gefährlich und lebensbedrohend Vulkane sind. Am Beispiel des Ausbruchs des Vulkans auf La Palma ist es aktuell in den Medien zu sehen. Weiter ging es in den Lava-Keller, wo über viele Jahrhunderte Basalt abgebaut worden war und sich danach Bierkeller von zeitweise bis zu 24 Brauereien befanden, da die Temperatur dort im Jahresmittel zwischen 4 °C und 9 °C beträgt.

Während der Führung durch den Lavakeller

Ideal für die Lagerung von Bier. Unsere Führung erklärte Details zum Basaltabbau und der schweren Arbeit der Bergleute. Nach etwas mehr als zwei Stunden wurden wir dann entlassen und konnten zum Kaltwasser-Geysir nach Andernach weiterreisen, wo unsere Gruppe auch angemeldet war.

Vom Informationsgebäude des Geysir Andernach ging es per Motorschiff zum Naturschutzgebiet „Namedyer Werth“, in dem sich der Geysir befindet. Niemand hatte ein Vorstellung von dem, was uns dort erwarten würde. Nach rund 25 Minuten Schifffahrt liefen alle Reisenden die letzten 200 Meter vom Anlegesteg bis zur Austrittsstelle des Geysirs, der sich – wie der Old Faithfull in den USA – regelmäßig entleert. Ein beeindruckendes Schauspiel, das sich nicht mit Lärm ankündigt, sondern leise aus dem Erdreich rund 50 Meter nach oben in die Luft aufsteigt. Obwohl einige von uns bereits auf Island waren und dort Geysire bewundern konnten, war dieses Spektakel etwas besonderes: Es handelt sich um den in Europa größten Kaltwasser-Geysir.

Blick vom Geysir-Schiff auf Andernach

Den Tag ließen wir abends mit einem dreigängigen Abendessen ausklingen. Die währenddessen geführten Unterhaltungen und Gespräche waren gefüllt von den Erlebnissen und Erinnerungen der beiden letzten Tage. Uns wurde signalisiert, dass alle Teilnehmer sehr zufrieden waren.

Unser Ehemaligentreffen endete am Sonntag und wir vereinbarten, dass wir uns im Jahr 2022 in Coburg wiedersehen würden. Wir wählten die neue Veranstalterin und hoffen nun darauf, dass die Vorbereitungen geschmeidiger ablaufen als bei diesem Treffen. Einen kleinen Wermutstropfen gab es noch zum Abschluss: Fast alle Rechnungen mussten korrigiert werden, da es offensichtlich ein Problem mit der hoteleigenen Software gegeben hatte. Mit gegenseitigem Respekt wurden aber diese Probleme gelöst und der Ausflug in die Vulkaneifel, die ich als Ausflugsziel sehr empfehlen kann, beendet.

Hier einige Bilder von meinem letzten Besuch in Coburg, wo das Samba Festival das Ziel war.