Erlebnistage mit den Enkelsöhnen in der Sächsischen Schweiz

Blick vom Papststein auf die Sächsische Schweiz

Endlich war es soweit: Die Koffer gepackt und freudig darauf wartend, was auf uns zukommen wird. Wir, das sind die beiden Enkelsöhne (16/13), der Schwiegersohn und ich, der Großvater. Wie sich das schon anhört – Großvater: Man kann zwar schon älter sein, aber deswegen nicht gleich inaktiv. Unter genau diesem Aspekt freuen sich alle auf das, was vor uns liegt.

Anreise

Die drei „Jungs“ kamen mit dem Auto nach Sachsen angereist, um mich am Hauptbahnhof in Dresden in Empfang zu nehmen, da ich über sechs Stunden mit dem Zug anreisen musste. Bis zu unserem AirBnB-Quartier in Reinhardtsdorf-Schöna waren es dann nochmals fast 50 km. Unsere Gastgeberin hatte uns angekündigt, dass die Hauptzufahrt zu ihrem Ort bedingt durch die Starkregenfälle Mitte Juli gesperrt sind, die Umleitungen aber gut ausgeschildert seien. Umwege nahmen wir aber gerne in Kauf, da der von uns ausgesuchte Ort uns Ruhe und Entspannung bieten und als Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen dienen sollte. Auf dem Weg dorthin versorgten wir uns noch mit Lebensmitteln, damit wir am nächsten Morgen frühstücken konnten, denn wir hatten nur die Wohnung ohne Frühstück gebucht und unsere erstes „Erlebnis“ stand bevor.

Da meine beiden Enkelsöhne nicht wussten, was wir während unseres gemeinsamen Aufenthalts in der Sächsischen Schweiz so alles machen würden, lüftete ich nun das Geheimnis für den ersten Tag: Gebucht war eine Kayak-/Gatzkanadierfahrt bei Kanu-Aktiv-Tours von Königstein nach Pirna. Die Flussstrecke betrug fast 23 km, wobei wir aber mit dem Strom fahren konnten, was sich als großer Vorteil herausstellte. Für die Rückfahrt von Pirna über Bad Schandau nach Königstein hatte ich zwei e-Mountain- und zwei e-Tourenräder-Bikes bestellt.

Mit einem Kajak braucht man auf der Elbe für die Strecke von Königstein bis Pirna knappe drei Stunden und mit einem Hartschalenkanadier bis zu 3,5 Stunden – ohne Pause. Mit Pausen dauert es dann dementsprechend länger. Das Kajak hat eine maximale Nutzlast von 250 kg und der Gatzkanadier (für maximal drei Erwachsene) bietet mit 310 kg Traglast ausreichend Reserve und Komfort. Die beiden e-Mountain-Bikes sind für maximal 130 kg Gewicht zugelassen und bei den e-Bikes sieht es nicht anders aus. Da keiner von uns diese Maximalwerte überstieg, stand also unserem Rundkurs mit Kanu und e-Mountain-Bikes (60 EUR/p.P. – mit E-Bikes 50,00 EUR/p.P) nichts mehr im Weg. In jedem Fall muss beachtet werden, dass bar vor Ort am Start der Paddeltour bezahlt werden muss – kein „Wenn“ und „Aber“ …! Bis 18 Uhr ist die Radrückgabe in Königstein möglich, was uns für unsere geplante Tour rund acht Stunden Spaß in Aussicht stellte.

Tag 1

Blick auf Königstein (markiert: Kanu-Verleih)
Blick auf Königstein (markiert: Kanu-Verleih)

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Königstein, wo wir um 10:00 Uhr mit unserer Rundtour beginnen konnten. Bei unserer Ankunft erhielten wir zunächst einige Instruktionen, wie wir uns auf der Elbe zu verhalten haben und welche Schutzmaßnahmen zu treffen sind, damit wir heil am Zielort Pirna wieder aus den Booten steigen können. Wir hörten alle interessiert zu und ich regelte danach die Bezahlung und Übergabe des Kayaks und Gatzkanadiers. Nachdem wir die Schwimmwesten angezogen und unsere „Wertsachen“ in wasserdichten Sicherheits-Säcken verstaut hatten, nahmen wir die Paddel und ein Sicherheitsblatt mit Notrufnummern in Empfang, trugen die beiden Boote zur Anlegestelle an der Elbe und bestiegen sie. Hier zeigte sich sogleich, wer den besten Gleichgewichtssinn hatte, denn beide Boote schwankten beim Besteigen. Wir tauschten nochmals die Anweisungen bezüglich der Vorbeifahrt an motorisierten Booten und Schiffen aus, bestätigten uns nochmals, wie an roten und grünen Bojen (rechts bzw. links) vorbeizufahren sei und stießen uns vom Bootssteg ab. Die Fahrt begann …

Elbefahrt mit dem Kayak
Auf unserer Kayakfahrt von Königstein nach Pirna begegneten uns zahlreiche Raddampfer, die mit gebührendem Abstand passiert werden mussten.

Es ging vorbei an der Bastei (die wir vor zwei Jahren erkundet haben) und kleinen Ortschaften links und rechts der Elbe, die mit unterschiedlichsten Fährverbindungen miteinander verbunden waren. Die trickreichste Passage für uns in unserem Kayak und dem Kanadier war die Gierseilfähre, die die beiden Ortsteil von Nieder- und Oberrathen miteinander verbindet. Bei dieser Pendelfähre wird das Fährboot von einem langen Stahlseil gehalten, das mit gelben Bojen bestückt ist und dadurch Auftrieb erhält. Stromaufwärts ist das Schleppseil an einem Flussufer-Festpunkt verankert. Das Fährboot bewegt sich durch das Seil gehalten und durch die eigene Lage zur Stromrichtung angetrieben über die Elbe. Diese Bewegung wird als Gieren bezeichnet: Die Bewegung eines „Körpers“, dessen Längsachse von seiner Fahrt- oder Flugrichtung abweicht. Während des Berufsschiffsverkehrs müssen sich solche Pendelfähren grundsätzlich an der Uferseite aufhalten, an der sich der Festpunkt des Seils befindet. Da wir ja nur Touristen in Kayaks waren, mussten wir dieser Fähre Vorfahrt gewähren und uns entsprechend auf ein kurzes „Warten“ auf der Elbe einstellen. Da die Flussgeschwindigkeit aufgrund des erhöhten Wasserstands der Elbe nicht unerheblich war, hatten wir bereits vorausschauend unsere Geschwindigkeit anpasst, um diese „Gefahrenstelle“ passieren zu können.

Nach einer kurzen Pause und getrieben von einem sich ankündigenden Gewitter, schafften wir die Strecke bis Pirna in gut drei Stunden. Dort sollten wir an der Anlagestelle unsere Boote einfach ablegen und auf die Übergabe der e-Bikes warten. Die Zeit bis dahin überbrückten wir mit einem kleinen Imbiss, den wir nach einem kurzen Fußweg in Pirna einnahmen. Pünktlich erschien dann am vereinbarten Übergabepunkt auch der Mitarbeiter von Kanu-Aktiv-Tours, damit wir mit den Fahrrädern den Rückweg antreten konnten.

Rückgabepunkt der Boote
Rückgabepunkt der Boote in Pirna

Obwohl meine beiden Enkelsöhne nur einmal zuvor erste Erfahrungen mit e-Fahrrädern sammeln konnten, stellte die Steuerung und Bedienung des Elektroantriebs für sie kein Problem dar. Zügig machten wir uns nach erfolgter Einweisung auf unseren Rückweg über den Elbe-Radweg nach Königstein. Landschaftlich ansprechend sahen wir jetzt die Elbufer aus einer anderen Perspektive. Zudem hatte der Himmel aufgeklart und das sich androhende Gewitter – ohne Schaden anzurichten – sich wieder verzogen.

Blick vom linken Elbufer bei Rathen auf die Bastei
Blick vom linken Elbufer bei Rathen auf die Bastei

Die Rückfahrt erwies sich als sehr schön, denn der Radweg war einfach sehr gut ausgebaut. Uns begegneten zwar immer wieder zahlreiche andere Radtouristen, allerdings war die Menge überschaubar und es ließ sich sehr entspannt fahren. Königstein erreichten wir äußerst entspannt und stellten fest, dass uns noch 90 Minuten Restzeit zur Verfügung standen. Spontan erweiterten wir unsere Rückreise um einen Abstecher nach Bad Schandau. Im Jahr 2019 haben wir hier bereits etwas Zeit verbracht und kannten eine Eisdiele, für die sich dieser kleine Schlenker lohnte. Hier war nun der Zeitpunkt, das Geheimnis für unseren nächsten Tag preiszugeben: Die Besteigung der Schrammsteine, die wir leider bei unserem letzten Besuch wegen Regens abbrechen mussten.

Letztendlich haben wir rund 40 km Elbe-Radweg befahren und konnten unsere Rundtour pünktlich um 18 Uhr beenden. Die Rückgabe der Fahrräder war ebenso unkompliziert wie die Ausleihe. Wir waren alle begeistert und machten uns auf den Heimweg in unsere AirBnB-Unterkunft. Ein gelungener, äußerst aktiver Tag ließ uns alle nach dem Abendessen und allgemeiner Körperpflege müde aufs Bett sinken.

Tag 2

Heute machten wir uns erneut früh auf unseren Weg, denn meine „Jungs“ sind alle keine Langschläfer. Also gut gefrühstückt, festes Schuhwerk angezogen, die Rucksäcke mit Wasser und einer Notration gepackt und Abfahrt an unseren Ausgangspunkt der heutigen Wanderung in das Gebiet der Schrammsteine nahe Ostrau.

Wanderstrecke zu den Schrammsteinen und zurück
Wanderstrecke zu den Schrammsteinen und zurück

Erwartungsvoll machten sich die beiden Enkelsöhne mit einer Wanderkarte bewaffnet als unsere Scouts in Richtung der Felsformationen auf. Trotz unzähliger Diskussionen, wo lang es denn genau gehen würde, erreichten wir das Schrammsteintor und begannen mit unserem Aufstieg zur Schrammsteinaussicht. An manchen Stellen herausfordernd steil über Leitern und Klettersteige, aber immer sicher und gut begehbar „kämpften“ wir uns vorwärts. Je höher wir kamen, desto ungeduldiger wurden die Jungs, endlich das Ziel zu erreichen. Da der Aufstieg als Einbahn-Strecke gekennzeichnet war, mussten wir mit keinem Gegenverkehr rechnen. Nicht alle hielten sich aber daran und es kam manchmal zu unschönen Begegnungen ohne Maske und Mindestabstand. Die Belohnung erreichten wir nach einem dreißigminütigen Aufstieg: Der Blick über die Sächsische Schweiz!

An diesem Aussichtspunkt legten wir eine Pause ein, die wir mit Fotografieren und Bestaunen füllten. Auf der gegenüberliegenden Seite der Schrammsteine konnte man Bergsteiger beobachten, die eine der Kalksandsteinsäulen, die sogenannte Tante bestiegen hatten. Mir bleib fast die Spucke weg, aber das empfinde ich bei jedem Bergsteiger, der sich mit Seil bewaffnet kraftvoll zum Gipfel bewegt. Einige Zeit beobachteten wir den Bergsteiger, bevor wir uns auf unseren Abstieg vorbereiteten.

Unser Tag neigte sich nach rund 19 km Laufstrecke dem Abend zu und wir waren alle hungrig und gierten nach einer kräftigen Mahlzeit. Da es an unserem Wohnort in Reinhardtsdorf-Schöna nur ein begrenztes Angebot an Gaststätten und Restaurants gibt, hielten wir Ausschau nach einem entsprechenden Platz auf unserem Rückweg.

Auszug aus dem Speisenangebot der Sennerhütte
Auszug aus dem Speisenangebot der Sennerhütte

In Gohrisch stoppten wir am Gasthof Sennerhütte, wo wir mit dem Hinweis auf „Großmutters Küche“ angelockt wurden. Die Wahl stellte sich als genau das heraus, was wir zu erwarten gehofft hatten: Speisen wie bei der Großmutter in der Küche … mit Herz gekocht und mit Liebe aufgedeckt und wir haben genossen. Danach freuten sich vier zufriedene, glückliche Jungs wieder auf ihr Nachtlager, denn jeder Muskel schrie nur noch „ERHOLUNG“ nach diesem erlebnisreichen Tag im Gebiet der Schrammsteine. Bevor wir aber diesen Tag ausklingen ließen, machte ich die Ankündigung, was am folgenden Tag geplant ist: Die Festung Königstein sollte erobert werden!

Tag 3

Bereits im Vorfeld zu unserer gemeinsamen Reise erkundigte ich mich nach den aktuellen Zugangsbedingungen zur Festung. Inwieweit AHA- oder 3G-Schutzmaßnahmen griffen, sollte erst am Eingang zur Festung entschieden werden. Über den Webshop erwarb ich aber bereits die Eintrittskarten zur Festung und Karten für eine Nachtwächterführung, die ab 21:30 Uhr stattfinden sollte. Schnell summierte sich die Gesamtsumme auf rund 74 EUR, was hoffentlich ein gutes Investment darstellen würde. Da ich bereits die Festung einige Jahre zuvor alleine besucht habe, war ich mir sicher, dass dieser Betrag gut eingesetzt war, denn ich wusste, was die Festung interessantes zu bieten hatte: Gewölbe-/Munitionskeller, Wehrgänge und Einrichtungen zur Abwehr von Angreifern, Lagerstätten für Munition und Versorgungsgüter, ein Waffenmuseum und weitere interessante Orte wie etwa die Kasematten.

Am Fuß der Festung parkten wir unser Auto und machten uns auf, diese zu erobern. Der Weg schlängelte sich den Hang hinauf und führte uns einmal fast um die Festung herum zum eigentlichen Eingangstor, denn wir hatten uns gegen den Aufzug entschieden: Wir erklommen die Festung wie es jeder Angreifer hätte machen müssen – über den einzigen Zugang durch das Haupttor! Spannende Geschichten darüber ob und wie die Festung in den zurückliegenden 400 Jahren erobert worden ist, wurden uns vom Festungsführer erzählt, der im Übrigen auch der Nachtwächter war. Wir hatten nämlich zusätzlich zu der Nachtführung auch noch mittags spontan die Festungsführung mit Kasematten dazu gebucht. Leider stellte sich heraus, dass beide inhaltlich eine große Schnittmenge teilten, wodurch wir vieles zwei Mal hörten, was sich allerdings auch damit besser ins Gedächtnis einprägte.

Aufgrund einer Verzögerung beim Beginn der Nachtführung verzögerte sich der Start etwas, was letztendlich dazu führte, dass wir erst gegen 0:00 Uhr die Festung wieder verlassen konnten. Nach einem mit neuem, interessanten Wissen gefüllten Tag schlichen wir wieder in unsere Ferienunterkunft, um ermattet ins Bett zu fallen. Man glaubt es nicht, aber an diesem Tag haben wir rund 13 km Strecke zurückgelegt – eine beachtliche Leistung für uns alle. Aber bevor wir alle einschliefen, musste ich noch die Pläne für den nächsten Tag offenlegen: Es war eine Höhlentour geplant, die uns auf den Papststein führen sollte.

Rund 13 km Strecke rund um, durch und über die Festung Königstein

Tag 4

Unser heutiges Ziel, die Höhlen (Lichter-, Eis und Sandhampelhöhle) waren von unserer Ferienunterkunft nur etwa sechs Kilometer am Fuß des Papststein entfernt, sodass wir beschlossen, diese Strecke zu laufen. Gesagt getan: Direkt nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg. Wieder führten uns unsere beiden Scouts, was erneut abenteuerlich wurde, denn die Generation „Z“ kennt sich zwar gut mit Handy und Co. aus, steht aber oftmals mit einem großen Fragezeichen vor einer Landkarte. Trotzdem schafften wir es und erreichten das Höhlenareal nach etwa 90 Minuten. Es zeigte sich, dass das Erkunden dieses Areals etwas nach dem Geschmack meiner beiden Enkelsöhne war. Sie zwängten sich durch schmale Spalten um in die Eishöhle zu gelangen, sie führten uns zur Lichterhöhle um danach auch noch der Steinhampelhöhle einen Besuch abzustatten.

Wanderstrecke zur Lichterhöhle (© Google Maps)
Wanderstrecke zur Lichterhöhle (© Google Maps)

Wieder zurück in unserem Urlaubsquartier kamen wir spontan auf die Idee, dem Hausberg Kleiner Zschirnstein einen Besuch abzustatten. Unsere Gastgeberin meinte, dass man nach rund 45 Minuten ihn erklommen hat und die Aussicht beeindruckend sei.

90 Minuten und zwei Rückfragen bei anderen Wanderern später erreichten wir das Plateau des Kleinen Zschirnstein. Man hatte uns nicht zuviel versprochen: Der Ausblick und die Felsformationen waren beeindruckend und Entschädigung genug, für unseren langen Aufstieg. Etwas länger als üblich blieben wir hier sitzen und nahmen Abschied von der Sächsischen Schweiz, denn morgen mussten wir den Weg zurück nach Hause antreten.

Ein schöner Urlaub, in dem wir rund 60 km Wanderwege bewältigten, eine 22 km Kayaktour absolvierten und 40 km e-Bikefahrt genießen konnten, fand ein Ende. Freuen wir uns auf unsere nächste gemeinsame Auszeit und denken an die schöne Zeit zurück. Adieu und bis zum nächsten Mal!