Veränderung ist angesagt

Bist du ein Teil des Rudels oder eher ein Einzelgänger? (Copyright Urheber-ID 986011)
Bist du ein Teil des Rudels oder eher ein Einzelgänger?

Da ich momentan noch immer nicht reisen kann, denn ich bin laut CovPas erst ab dem 12. Juli vollständig geimpft, schreibe ich meine Gedanken und Wünsche hier auf. Vielleicht findet jemand Parallelen zu seinen eigenen.

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Tugend

Zurückschauend stelle ich fest, dass ich in meinem Leben vieles angefasst und nichts als „von Gott gegeben“ angesehen habe. Dankbar zu sein, das gehört zu einer der – meiner Meinung nach – wichtigsten Eigenschaften und Tugenden, die ein jeder für sich erlangen und weitergeben sollte.

Die Gesellschaft spiegelt mir aber ein ganz anderes Bild wider: Rücksichtslosigkeit, Egoismus und aggressives Verhalten sind an der Tagesordnung. Und ich spreche hier nicht vom Straßenverkehr oder den Spaziergängern auf den Gehwegen bzw. im Park sowie den Kaufwilligen in den Geschäften. Nein, es entzündet sich in den „Sozialen Medien, in elektronischer Kommunikation und im nachbarschaftlichen Verhalten: Jeder glaubt, dass alles erlaubt ist und es keine Grenzen mehr gibt. Man macht und wartet ab, ob es dem anderen missfällt. Erst wenn man sich beschwert und darauf hinweist, dass das Verhalten inadäquat oder gar nicht erlaubt sei, nur dann ist derjenige vielleicht bereit etwas zu ändern und einen Schritt zurück zu gehen. Ich beziehe mich hier auf ein Ereignis, bei dem ein Nachbar in seinem Garten etwas stark qualmendes und stinkendes verbrannte. Er qualmte die ganze Gegend zu und verpestete die Luft. Als ich zu ihm ging und ihn höflich darauf hinwies, dass er uns alle damit belästigt, fragte er, ob er denn damit aufhören solle? Ich könnte kot… bei soviel Unverfrorenheit. Aber das ist das perfekte Spiegelbild unserer Zeit.

Der US-amerikanische Geistliche Beecher soll gesagt haben: „Sei nicht traurig, dass dich keine besonderen Tugenden auszeichnen. Wo immer der Herrgott eine Million Grashalme wachsen ließ, schuf er nur einen einzigen Baum dazu. Die Erde ist nicht mit Wäldern umsäumt und bedeckt, sondern mit Gräsern. Du musst nur genug kleine Vorzüge haben und eine ehrliche Haut sein, dann braucht es dich nicht zu betrüben, dass du weder ein Held noch ein Heiliger bist.

Henry Ward Beecher (1813-1887)

Setzt man diesen Aphorismus von Beecher jeden Tag ein, so wird man sich der Winzigkeit oder der herausragenden Erscheinung bewusst, die man selbst verkörpert. Selbstwert und das Gefühl, das sich damit verbinden lässt, sind Stützen des Lebens. Und jeder sollte sich dieser bewusst sein bzw. werden. Mit gesenktem Kopf durch die Welt zu laufen, kann ich nicht empfehlen. „Kopf hoch und durch „– so sollte das Motto des Tages lauten! Dafür muss man aber Selbstbewusstsein haben und davon nicht zu knapp.

Rückzug

Menschen, die einen missbrauchen und ausnutzen, sollte man den Rücken zuwenden. Sich selbst bewusst zu werden, was es bedeutet, immer nur zu geben und nichts dafür zurück zu bekommen, ist für mich zurzeit das Schlimmste, dessen ich mir bewusst wurde. Pläne über eine gemeinsam mit zwei „Freunden“ angedachte Geburtstagsfeier wieder zu verwerfen, nur weil zwei der Meinung sind, dass derjenige, der am zahlungskräftigsten ist auch das meiste zu zahlen habe. Pfui auf diese Menschen, die versuchten, die Gutmütigkeit auszunutzen. Schande auf diejenige, die das ehrenamtliche Spendensammeln nicht würdigen und Aufopferung als Selbstverständlichkeit ansehen.

Wie sollte ich Gemeinschaften bezeichnen, die diese nur zum Eigennutz einsetzen. Jemandem die Hand zu reichen, damit dieser diese Hilfe annehmen kann, ist und bleibt eine moralische und menschliche Selbstverständlichkeit. Wird diese aber zum Eigennutz missbraucht, indem sich Menschen im Glanz der Arbeit und des Einsatzes anderer sonnen können, dann heißt das für mich: Breche alle Verbindungen ab und suche das Weite.

Den Mut dazu, muss man aber aufbringen. Darüber reden und es klar aussprechen, wieso und warum man diesen Schritt gehen muss, das ist wichtig. Inwieweit sich die angesprochene Person schuldig fühlt, sei dahingestellt. Oftmals ist das nicht der Fall, denn es wird in diesem An- bzw. Aussprechen nur die Schwäche des anderen gesehen und nicht die eigene Schuld wiedererkannt.

Neubeginn

Gesagt, abgestraft und neu gestartet. Hier muss jeder für sich den richtigen Ansatz finden, denn menschlich befindet sich der Betroffene gerade in einer sehr verwundbaren Situation. Viel zu viele werden es anders wahrnehmen oder wahrgenommen haben und zeigen kein Verständnis. Andere verstehen nicht, weshalb man sich selbst so herabsetzen muss, um sein Gleichgewicht wiederzuerlangen.

Ich rate jedem Menschen, sich selbst wertzuschätzen und sich nicht aufzugeben. Suche die Hand eines Menschen, dem du Vertrauen entgegen bringen kannst und „der dich hört“. Zuhören und verstehen – mehr braucht der Mensch nicht, um einigermaßen selbstbewusst seinen Weg beschreiten zu können, auch wenn er anderen missfällt.

Ich würde mich freuen, wenn ich Kommentare zu meinen Gedanken erhalten würde.