Bald wieder verreisen!

Bald wieder verreisen!
Am Flughafen La Guardia mit Blick auf NYC (Copyright Urheber-ID 986011)
Am Flughafen La Guardia mit Blick auf NYC (Copyright Urheber-ID 986011)

Langsam bewegt sich die Inzidenz unter die 10er Grenze und es sieht ganz danach aus, dass wir wieder verreisen können. Eine ganze Menge Menschen hat das ja auch bereits schon wieder gemacht: Portugal, die Balearen, Griechenland und die Kanaren waren sehr beliebte Ziele! Man flog wieder und sah die „alte Freiheit“ als zurückgewonnen an. Die Quarantäne wurde in Kauf genommen und selbst Schnelltests waren keine Frage mehr. Solange man nur wieder „weg konnte“. Weg aus der häuslichen Einsamkeit und Isolation, die niemand wollte, aber alle getroffen hat.

Heute war ich zum zweiten Mal wieder live beim Pilates – mit negativem Schnelltest, der nicht älter als 48 Stunden sein durfte. Endlich wieder andere Teilnehmer sehen und sich gemeinsam quälen lassen. Das hätte ich zwar auch einsam daheim machen können, aber Online-Kurse sind doch ziemlich anonym und ohne Herausforderung. Das miteinander Klönen und Tratschen ist einfach wichtig und stärkt die Psyche. Und diese Stärkung braucht zurzeit um mich herum jeder Mensch und man selbst natürlich auch. Zwar sagen einige noch immer, dass das alles ihnen nichts ausmachen würde, aber wenn man genauer hinsieht, stellt man auch bei diesen Menschen Ausfallserscheinungen fest. Wahrhaben wollen diese sie aber nicht. Man sagt, dass Sie solchen Erscheinungen gegenüber immun seien. Das ich nicht lache. Niemand ist immun und kann sich komplett ausklinken. Zwar gibt es immer wieder Einsiedler, aber die sehen sich sowieso als Außenseiter der Gesellschaft. Ob ihnen etwas fehlt, steht mir gar nicht zu, zu beurteilen.

Was uns aber alle eint, ist der Wunsch, wieder etwas unternehmen zu können. Es muss ja nicht gleich eine Fernreise sein. Vielleicht reicht es ja auch, einmal wieder die nähere Umgebung zu erkunden und auch den Freunden näherzubringen.

Als ich Schulkind in der zweiten Klasse war, gab es noch das Fach „Heimatkunde“. Das mag jetzt für viele fremd klingen, aber wir sollten unsere nähere Umgebung kennenlernen und wissen, welche der Flüsse in unserem Land, wohin flossen und wie die Hügel um uns herum sich nannten. Ich erinnere mich noch, dass Heimatkundefragen einen nicht unerheblichen Teil meiner Aufnahmeprüfung zum Radio- und Fernsehtechniker-Lehrling ausmachten. Unser Obermeister der Bonner Innung legte größten Wert darauf, dass wir „Lehrlinge“ (heutige Auszubildende) den Betrieb gut nach außen hin repräsentieren konnten. Wir Lehrlinge waren meist Abiturienten, über 18 Jahre alt und alle im Besitz eines Führerscheins. Zwar waren wir noch nicht volljährig, aber verantwortungsbewusst erzogen worden. Das hört sich skuril an, war aber zur damaligen Zeit die Regel. Wir waren aber auch unbequem und rebellisch.

Etwas unternehmen, mal wieder zur Ü50-Party gehen zu können und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, dass ist es, was wir alle vermissen. Dabei aber nicht gleich die komplette Verantwortungslosigkeit nach außen zeigen, wie das heute so viele Party-Menschen machen: Laut sein, Dreck machen und die Reste einfach liegen lassen. NEIN, wir alle wollen feiern, tanzen, gemeinsam Spaß haben und dabei aber nicht unsere Verantwortung vergessen, die wir der Gesellschaft und der Natur gegenüber haben. Wir dürfen nicht gedankenlos verschwenden und Ressourcen verbrauchen, auch wenn es uns so einfach gemacht wird. Jeder Coffee-to-Go, jeder BigMac, jede Plastik- und jede Einwegflasche vermüllt unsere Welt und verbraucht unnötig wertvolle Ressourcen. Nicht alles wächst nach und darf daher verschwendet werden.

Kerosin wird zum Beispiel noch immer vom Staat stark subventioniert, wird aber von allen Reisenden nur als Mittel zum Zweck gesehen, aber nicht als Umweltverschmutzung und Verschwendung von endlichen Quellen wahrgenommen. Wer will schon zum Beispiel mit einem A380 mit Elektroantrieb von Frankfurt nach New York fliegen und dort dann rund 10 Stunden darauf warten, dass dieses Fluggerät weiterfliegen kann. Wir müssen umdenken und verstehen, dass der Luxus und die Alltagsgüter, die unsere Eltern und wir selbst geschaffen haben, nicht ewig als selbstverständlich zur Verfügung stehen können und werden, denn heute sind wir uns alle bewusst, dass vieles ENDLICH ist.

Diese Concorde kann man nur noch im Technikmuseum besichtigen (Copyright Urheber-ID986011)
Diese Concorde kann man nur noch im Technikmuseum besichtigen (Copyright Urheber-ID986011)

Wir alle sind gefordert, umzudenken und uns nach neuen Wegen umzuschauen. Dazu zählt auch, dass wir wieder geografisch begrenzter reisen und anders wahrnehmen als bisher. Es kann so nicht weitergehen: Wir alle sind gefragt und können nur gemeinsam eine Lösung finden. Packen wir es an.