Pourquoi?

Pourquoi?

Diese Frage stellt sich für mich immer häufiger: Warum? Was mache ich falsch im Leben, dass ich mich immer wieder genau an dieser Weggabelung befinde. Ich bin hin- und hergerissen, verzweifle an allem was ich mache und stelle die Loyalität von Menschen in Frage, mit denen ich privat und beruflich zu tun habe.

Leuchtturm von Trafalgar
Vergleichbarkeit einer Position im Leben: Leuchtturm von Trafalgar (Copyright: Urheber-ID 986011)

Warum bin ich so sensibel und finde niemanden, der mich so wahrnimmt, wie ich bin? Überall nur Ecken und Kanten – Menschen, die mit sich selbst beschäftigt sind und denen ich offensichtlich gleichgültig erscheine. Bin ich es, der sich ändern sollte? Pourquoi??? Ich trete Menschen gegenüber und höre zu. Mir ist es wichtig, dass auch sie mich so wahrnehmen, wie es unter Gleichgesinnten und Gleichgestellten sein sollte.

Was aber, wenn sich Personen „erhaben“ gegenüber anderen fühlen? Napoleon soll auf seiner Flucht aus Russland gesagt haben: „Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt!“ Soll ich es einfach als Gottgegeben hinnehmen? Darf ich mich dadurch herabgesetzt fühlen? Wertzuschätzen und selbst wertgeschätzt zu werden, dass ist es doch, was unserer Gesellschaft den erforderlichen Zusammenhalt und Antrieb bietet. Sind das nicht auch Gründe dafür, dass sich so wenige Menschen um das Thema Energiewende und Klimaerwärmung wirklich Gedanken machen. Sollen doch erst einmal die anderen machen. Und wenn das dann funktioniert, kann man sich ja noch immer dafür stark machen. Pourquoi?

Jeder Mensch sollte als unbearbeitet und einzigartig angesehen werden
Jeder Mensch sollte als unbearbeitet und einzigartig angesehen werden (Copyright: Urheber-ID 986011)

Darf ich nachdenklich sein und hinterfragen, wenn nicht alles so ist, wie es geplant war?

Ein Beispiel: Mein geschäftliches Adressbuch umfasste 498 Kontakte: Kollegen, Kunden, Berater, Lehrende und Studierende. Als ich mich aus dem Tagesgeschäft des Chefredakteurs eines fachtechnischen Magazins, das auch als Mitgliederzeitschrift der Fernseh-Kinotechnischen Gesellschaft vertrieben wurde, zurückzog, wurde mir mit aller Brutalität bewusst gemacht, dass meine Wertigkeit um 99 % nachließ. Meine langjährige Mitgliedschaft in der FKTG war beendet und man bot mir nach über 22 Jahren Zugehörigkeit kein Life Membership wie seitens der SMPTE an. Als Herausgeber hat man zwar noch ein Ehrenamt inne, aber man wird nicht mehr wirklich gebraucht. Nach rund drei Jahren aus dem aktiven Geschäft blieben noch genau drei Kontakte übrig, die mit mir kommunizierten und mich noch kannten. Für alle anderen war mein Marktwert auf Null gesunken. Das machte sich in „als nicht zustellbar“ deklarierten E-Mails, unbeantworteten Telefonaten (kein Ruckruf, obwohl zugesagt) usw. bemerkbar.

Selbst eingeleitet, da offiziell aus dem Bereich der Technik zurückgezogen, aber dass man persönlich nicht mehr gefragt war, das fiel schon schwer zu begreifen. Pourquoi?

Wieso war man plötzlich eine Persona non grata? Was machte einen zu einem Menschen, mit dem man nichts mehr zu tun haben wollte? Da man sich anderen nicht aufdrängen möchte, wird nur zu einigen der besonders geschätzten Menschen Kontakt aufgenommen, denn es interessierte einen persönlich, wie es ihr oder ihm erging. Keine Antworten kamen zurück und es gab auch keine Kontaktanfragen – sei es zu einem persönlichen Treffen oder einem Telefonat. Pourquoi?

Ganz offensichtlich muss ich mich hinterfragen und meine persönliche Hilfsbereitschaft sowie Kooperation in vielen Bereichen des Zusammenlebens neu positionieren. Neue Freunde finden, meinen Bekanntenkreis erweitern und ähnliches. Ich darf mich nicht mehr ausnutzen und vor Karren spannen lassen, die ich zwar ziehen kann, aber die nicht meine eigenen sind. Niemand – außer meiner Frau – schätzt, was ich mache und mit welcher Kraft ich Dinge umzusetzen weiß. Das zieht einen so nach unten, dass so vieles in Frage zu stellen ist, was gemacht wurde und was zukünftig ansteht.

Aufgaben zu übernehmen und diese zu aller Zufriedenheit durchzuführen, das ist doch das Ziel eines jeden Menschen. Im Berufsleben erhält man dafür sein Gehalt und erledigt die Dinge so, dass der Auftraggeber zufrieden ist. Erfüllt man die Erwartungen nicht, dann hat das Konsequenzen – letztendlich auch die Suche nach einem neuen beruflichen Betätigungsfeld: Selbst verursacht und damit auch selbst zu verantworten.

Anders aber im privaten Umfeld, wo man sich engagiert und einbringt. Hier sollten Aufgaben auch honoriert werden. Nicht in monetärer Hinsicht, aber persönlich und gesellschaftlich adäquat. Findet das nicht statt, dann muss man es für sich erneut hinterfragen: Ist man der Richtige für diese Aufgabe oder Position und was kann und will man ändern, damit eine andere Wahrnehmung entsteht. Pourquoi?

Mit ist bewusst, dass ich gerade eine Grenze überschritten habe, die einen angreifbar macht. Meine Meinung dazu lautet, dass man nur durch Klarheit der Ausdrucksweise sowie gezeigter Offenheit eine Veränderung bewirken kann: Sei es bei einem selbst oder – wenn man Glück hat – auch bei seinem Gegenüber. Hier und jetzt gab es erst einmal einen Befreiungsschlag, dem weitere folgen werden!

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