Berufsbezeichnungen mal anders

Uns allen sind Berufe wie Frisör, Gärtner, Metzger, Schneider, Tischler, Maurer usw. gut bekannt. Niemand muss sich fragen, was sich wohl hinter einer Berufsbezeichnung verbirgt. Seit dem es aber neue Segmente im Berufsleben gibt – und hier spreche ich im Besonderen von den Medien, stelle ich in Frage, was sich hinter den neuen Berufsbezeichnungen verbirgt.

Als ehemaliger technischer Leiter eines mittelständischen Videoproduktionsbetriebes war ich auch IHK-zertifizierter Ausbilder im Bereich des neuen Berufsbildes der Mediengestalter/in Digital und Print. Viele junge Menschen sagen noch heute „Ich würde gerne etwas mit Medien machen“ und meinen damit, irgendetwas im Bereich der Gestaltung von Bild, Ton, Licht und Grafik/Design. So wurden die Berufe der Kameraleute, Tontechniker, Lichtgestalter, Bildtechniker, Grafiker usw. bezeichnet, deren Ausbildungen an Hochschulen, Medienakademien und berufsbildenden Schulen mit einem qualifizierten Abschluss durchgeführt wurden.

Die Resultate einer solchen Ausbildung sehen und hören wir heute mannigfaltig im Fernsehen, im Radio und in den Druckmedien. Hier tummeln sich im Bereich der Kamera, des Tons, der Bildgestaltung/Schnitt, der Grafik, des Lichts und des Studiodesigns Männer und Frauen gleichermaßen, die als Kameraleute, Tontechniker/-meister, Bildtechniker und Bildmeister, Grafiker und Designer, Lichttechniker, Beleuchter, Lichtdesigner und Studiomeister bezeichnet werden.

Hat schon einmal jemand etwas von Sony-/Arri-/Panasonic-/GoPro- oder Red-Kameraleuten gehört? Oder wie hört es sich an, wenn man von einem Sennheiser-/Albrecht-/Shure-/Dynacord-/Riedel- oder Lawo-Operator spricht? Gibt es die Berufsbezeichnung des Adobe-Photoshop-Künstlers oder des DaVinci-Resolve-Bedieners? Das sind mir alles zu viele Hersteller und Produktbezeichnungen, die für Allrounder nicht passend sind.

Aktuell habe ich im Abspann einer SR-Sendung, die vom SWR ausgestrahlt wurde, die Berufsbezeichnungen des Grand-MA- und Live2Edit-Operators gelesen. Was will man dem Zuschauer damit sagen? Dass diese Menschen besondere Fähigkeiten durch eine Schulung auf einem speziellen Gerät erhalten haben? Oder nutzt man heutzutage den Abspann als Vermittlungsplattform, um Dienstleistungen der besonderen Art sowie für mögliche Folgeaufträge von Freien Mitarbeitern anzubieten?

Aufnahme des Abspanns der Sendung „Alfons & Gäste“ ©SWR 2021

Benötige ich vielleicht einen Operator, um die Großmutter (GrandMA) besser verstehen und leiten zu können? Nach meinen Recherchen handelt es ich bei einem GrandMA-Bediener um eine Person, die eine besondere Schulung auf einem Gerät eines Lichtsteuersystem-Herstellers erhalten hat. Also keine Berufsbezeichnung, sondern eine Zusatzschulung, um ein bestimmtes Gerät bedienen zu können. Nach meinem Empfinden gehört so etwas nicht in den Abspann und wenn, dann sollten auch alle Redaktionsassistent*innen erwähnt werden, denn die tragen nicht unerheblich zu einer Sendung bei.

In einer der letzten ausgestrahlten Sendungen von „Alfons & Gäste“ lese ich zudem den Hinweis auf einen „Live2Edit-Operator“.

©SR 2021 – Abspann-Screenshot der Sendung Alfons & Gäste vom 11.3.21

Frage ich auf dem Internet nach einem Bediener von Live2Edit, so finde ich „Das revolutionäre Liveschnitt-Modul erstellt aus Mehrkameraaufnahmen (Multicam-Clips) eine Sequenz mit voller Gruppenfunktionalität für ein Postproductionsystem“ als Antwort. Also auch nur ein Produkt, dass von einer Person mit besonderer Schulung bedient wird. Hier könnte man auch Hinweise auf einen „Lawo mc²“-Bediener einblenden, denn dann wüsste jeder Branchenkundige gleich, dass dieser ein Tonmischpult bedienen kann.

Persönlich habe ich mich an die Presseabteilung des SWR gewandt, um Antworten auf meine Fragen zu erhalten. Leider hat man mir bis heute keine umfassende Auskunft zu meinen Fragen zukommen lassen, obwohl es mir auf meine Anfrage hin angekündigt worden ist.

Vielleicht gibt es ja eine Erklärung, die mein Wissen erweitert, was ich dann auch gerne weitergeben werde. Was aber nicht geschehen sollte, ist die Tatsache (ich finde es verwerflich), dass hier offensichtlich versteckt Reklame für ein Produkt aus der Lichtsteuerbranche gemacht wird und man zudem unlauter für einen Bediener einen neuen Anzeigenmarkt für seine Dienstleistungen eröffnet.

Update vom 6.4.21:

Leider ist uns an dieser Stelle eine interne Bezeichnung in die Titelliste gerutscht. Dazu muss man wissen, dass wir in unserem Studio Eins zwei Lichtpulte benötigen, die auch räumlich voneinander getrennt sind und die jeweils von einem Lichttechniker bedient werden. Zur besseren internen Unterscheidung nennen wir einen der Kollegen „Grand MA Operator“. Diese interne Bezeichnung hat es in den Abspann geschafft, wo sie, wie Sie richtig bemerken, nichts zu suchen hat. Das diente zu keiner Zeit der Werbung und uns entstanden auch keine Vorteile daraus. Wir werden diesen Fehler natürlich sofort beheben, sodass in den neuen Sendungen die richtige Bezeichnung genannt wird.
(Quelle: zuständige Redakteurin beim SR)