Eine Woche Entspannung

Die Zeit war reif und ich macht mich auf den Weg nach Berlin, um einmal wieder etwas anderes als nur meine Wohnung und die nähere Umgebung zu sehen. Im Vorfeld meiner Vorbereitungen hatte ich mir ein ICE-Zugticket (1. Klasse) gekauft, denn ich wollte einmal erleben, was es heißt, in Covid-19-Zeiten mit der Bahn unterwegs zu sein.

Am Reisetag begann meine ICE-Fahrt so zeitig, dass ich mir ein Taxi zum Bahnhof gönnte, denn ich wollte mit meinem Gepäck nicht im ÖPNV unterwegs sein. Ich nutze die FreeNow-App, um mir das Fahrzeug für den kommenden Tag zu reservieren. Der Taxifahrer war pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt vor meiner Tür, half mir beim Einladen und wir fuhren entspannt in Richtung Hauptbahnhof. Pünktlich startete der ICE in Richtung Berlin und ich gönnte mir ein Frühstück am Platz, denn ich mag so zeitig am Tag noch nichts essen.

Das bestellte Frühstück kam in Einwegverpackungen, was viel Müll bedeutete und eigentlich gar nicht zeitgemäß ist. Wenn man schon ökologisch unterwegs sein will, dann bedeutet das für mich auch Müllvermeidung. Hier muss die Bahn noch nachbessern. Bezüglich der Pappbecher für den Kaffee wurde mir von der Zugbegleiterin gesagt, dass die Spülmaschine defekt sei und genau diesem Umstand ist das Pappgeschirr geschuldet. Leider kommen solche Entschuldigungen bei der Bahn viel zu häufig vor, als dass ich das glauben kann. Professionelle Spülmaschinen sind heute so zuverlässig, dass sie eher langlebiger als privat genutzte sind.

Pünktlich kam ich in Berlin an und machte mich mit der S-Bahn vom Hbf auf den Weg zum Bahnhof Zoo. Dort angekommen, lief ich mit meinem Koffer zur Autovermietung, um den reservierten Leihwagen in Empfang zu nehmen. Jetzt kommt der Part, der meinerseits nicht ganz so ökologisch wie gedacht war. Man bot mir einen Skoda Superb SportLine an. Ein Dieselfahrzeug, das mich beim Verbrauch sehr überraschte. Da ich über 600 km in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sein wollte, stellte Diesel die Option meiner Wahl dar, denn ich plante entspannt unterwegs zu sein, um einmal herauszufinden, ob ich denn bei normaler Fahrweise auch mit einem solchen Auto sparsam unterwegs sein könn(t)e. Von der Tank-Option (keine Auffüllen des Tanks vor der Rückgabe) ließ ich mich überzeugen, denn bei meiner geplanten Strecke, entsprach der Tankinhalt in etwa dem Verbrauch, den ich für meine Fahrtstrecke angedacht hatte. Ich war aber überrascht, dass ich bei der Rückgabe des Fahrzeugs und zurückgelegten 650 km noch immer mehr als 60 % Resttankinhalt zur Verfügung stehen hatte: Der Durchschnittsverbrauch betrug rund 5,1 l Diesel/100 km. Ich hätte noch weitere 700 km fahren können, bevor der Tank leer gewesen wäre: Superb, kann ich da nur sagen! Und meine Fahrweise entsprach nicht gerade einem Schleichmodus, sondern bedeutete zügiges Dahingleiten und eine dem Verkehr angepasste Beschleunigung.

Oderbruch bei Schiffmühle

Mein erstes Ziel war Bad Freienwalde. Hier übernachtete ich drei Tage bei guten Freunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Das Heilbad liegt am Rande des Oderbruchs und war mein Startpunkt für Exkursionen in die Umgebung. Am ersten Tag wanderte ich unter Zuhilfenahme eines Vorschlags der Komoot-App in den umliegenden Wäldern. Hier musste ich aber schnell erkennen, dass ich zeitweise gar keinen Mobilfunk-Empfang hatte, sodass ich auf meinen Orientierungssinn zurückgreifen musste, denn ich hatte versäumt, mir das Kartenmaterial auf mein Mobiltelefon herunterzuladen. Ohne Orientierungshilfen in fremdem Terrain unterwegs zu sein, kann schon mal zu brenzligen Situationen führen, zumal ich niemanden gesagt hatte, wohin ich unterwegs war. Ich spreche hier den Hinweis aus, dass man bei jeder Wanderung seinem Gastgeber eine Nachricht hinterlassen sollte, damit im Notfall Hilfe angeboten werden kann. Es ist mir aber nichts passiert und der Wettergott war mir auch hold: Vor dem Aussteigen aus dem Auto und nach meiner Rückkehr gingen immense Regenmassen nieder. Ich wurde zwar etwas nass, war aber nicht durchnässt und blickte auf eine schöne Wanderung zum und um den Baasee herum zurück.

Schloss Altranft

Für den folgenden Tag war das Oderbruch Museum im Ortsteil Altranft angesagt. Meine Gastgeber hatten es mir als außergewöhnliches empfohlen und ich ließ mich „entführen“. Ich erwartete eine Institution, so wie man es von einem Museum gewohnt ist. Angenehm überrascht wurde ich im alten Schloss, das das Gebäude mit der Kasse und den musealen Exponaten ist. Für acht Euro erhielt ich die Eintrittskarte, die sich als Jahreskarte herausstellte. Etwas überrascht, wieso man eine Jahreskarte gleich bekommt, machte ich mich auf zur Erkundung, wobei ich erkennen musste, dass das Museumsgebäude nur den zentrale Punkt mit allen Exponaten zur Geschichte des Oderbruchs repräsentiert, das eigentliche Zentrum von Altranft aber Teil des Freilichtmuseums ist. Hier kann man neben Kirche, Löschhaus und Schmiede auch viele andere Gebäude mit alten Handwerksbetrieben und Gewerken besichtigen. Drei Stunden verbrachte ich im Schlossgebäude, denn entgegen der normalen Verhaltensweise in Museen, darf bzw. soll man hier anfassen und erkunden: Außergewöhnlich und sehr informativ ist diese Art. Jetzt wurde mir bewusst, wieso die Eintrittskarte eine lange Gültigkeit besitzt: Es ist unmöglich alles in diesem Museum an einem Tag zu erfassen. Nachdem ich noch den Außenbereich erkundet hatte, beschloss ich diesem Ort einen weiteren Besuch zu widmen.

Von Bad Freienwalde führte mich mein Weg über Ueckermünde nach Gotthun, wo ich mich mit ehemaligen Kollegen von ARD und ZDF zu unserem Jahrestreffen verabredet hatte. Diese Treffen haben eine 40jährige Tradition und bringen uns immer wieder an anderen Orten in der Bundesrepublik zusammen. Das Hotel „Grüner Baum„, in dem wir uns an der Müritz trafen, war ausgebucht, was ich in Corona-Zeiten eigentlich gar nicht erwartet hatte. Eine 3,5-stündige Bootsfahrt auf dem Müritzsee erwartete uns am nächsten Tag. Abstandsregeln wurden mehr oder weniger dabei eingehalten, allerdings war meine Stimmung nicht so, als dass ich das unkommentiert lassen wollte. Aufgrund der Enge der Räumlichkeiten war es aber nicht möglich, mehr Abstand auf dem Schiff der Weißen Flotte anzubieten. Am Sonntag war die Rückfahrt nach Berlin angesagt, wo ich ein Zimmer im Henri Hotel gebucht hatte. Das Hotel liegt in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm und in fußläufiger Nähe zum Café im Literaturhaus sowie zum Delphi Filmpalast, einem guten Programm-Kino.

Normalerweise bin ich Gast im Hotel Savoy, konnte aber diesmal der Empfehlung einer Bekannten nicht widerstehen und reservierte ein Zimmer in der 4. Etage des Henri Hotels. Es paart Stil der Jahrhundertwende des 19. zum 20. Jahrhundert mit täglichem Komfort. Hier wurden Hygienemaßnahmen groß geschrieben und ich hatte das Gefühl, sehr sicher aufgehoben zu sein. Nachdem ich mir im Delphi (nach Vorbestellung und mit Corona-bedingten Mindestabständen) „Tenet“ angesehen hatte, aß ich im Mine zu Abend. Das angebotene Trüffelgericht war exzellent und der perfekte Abschluss einer erholsamen Woche.

Bevor ich mich wieder auf den Rückweg machte, wollte im Zoo Berlin die kleinen Panda-Bären noch sehen. Über die Tierhaltung in Gehegen kann man bekanntlich streiten. Ich sehe aber für mich keine andere Möglichkeit als diese Tiere hier erleben zu können. Zudem bin ich bekennender Flusspferd-Freund und besuchte auch diese Tiere in ihrem Gehege. Gegen 17 Uhr fuhr ich mit dem ICE wieder zurück in Richtung Heimat. Leider wurden die Hygienemaßnahmen nicht sehr genau genommen: Zahlreiche Fahrgäste waren ohne Mund-Nasen-Bedeckung unterwegs und wurden auch nicht vom Zugpersonal darauf hingewiesen, sich den Corona-Schutz-Vorgaben entsprechend zu verhalten.

Unvernunft gepaart mit Rücksichtslosigkeit im ICE